Dermatologie & Allergologie
Hauterkrankungen, blasenbildende: Diagnose
Definition
Erworbene, nicht-infektiöse, autoimmun-bullöse (blasenbildende) Hauterkrankungen.
Ätiologie
Bedingt durch Autoantikörperbildung gegen Haftstrukturen der Haut. Weiter unterteilbar mittels Klinik, Histologie, Immunfluoreszenz (IF) (Fluoreszenz-Mikroskopie) und ELISA.
Pemphigus vulgaris
Definition
Intraepidermale Blasenbildung (Akantholyse) vorwiegend bei Patienten im 4. bis 6. Lebensjahrzehnt
Lokalisation
- Schleimhaut (meist Mundhöhle)
- Haut (ohne besondere Prädilektionsstellen)
Symptome
- primär schlaffe Blasen auf normaler Haut
- frühes Platzen der Blasendecken, Entstehung schlecht heilender Erosionen, Verkrustung, Sekundärinfektion
- Störung des Allgemeinzustandes
Diagnostik
- Klinik: Nikolski-Zeichen: Verschieblichkeit der Blasen innerhalb der Epidermis
- Histologie
- Immunfluoreszenztest im Hautbiopsat
- Pemphigusautoantikörper im Blut (Desmoglein 3[& 1] als Antigen-Bestimmung mit indirekter IF und ELISA)
Verlauf
- Beginn meist in Mundhöhle (70%)
- später Körperherde
- plötzliche Exazerbation, Letalität ohne Therapie nahe 100%
Merke
Isolierter Pemphigus der Mundschleimhaut wird nicht selten verkannt ("Aphthen")!
Bullöses Pemphigoid
Definition
Subepidermale Blasenbildung, vorwiegend bei Patienten über 60 Jahren
Prädilektionsstellen
- Hals
- Achselhöhlen
- Leistenbeugen
- Oberschenkel
- Mundschleimhaut selten befallen
Symptome
- pralle Blasen, häufiger mit hämorrhagischem Inhalt, auf meist entzündeter Haut ("urtikariell")
- Platzen, Verkrustung und Sekundärinfektion möglich, gute Heilungstendenz
- Störung des Allgemeinzustandes
- starker Juckreiz
Diagnostik
- Klinik, Histologie, direkte IF (Hautbiopsie)
- bei 70% der Patienten Pemphigoidantikörper im Blut (BP-180 ELISA)
Verlauf
- Beginn meist mit wenigen Blasen, später Ausdehnung
- Verlauf chronisch rezidivierend über Jahre
- Spontanremission möglich
- keine (geringe) Letalität
Herpes (Pemphigoid) gestationis
Definition
Seltene, autoimmun-bullöse, zunächst urtikarielle, dann blasenbildende Dermatose der Schwangerschaft
- klinisch und immunpathologisch dem BP verwandt
- Beginn während des 4.-7. Schwangerschafts-Monat; CAVE: perinatales Rezidiv!
- Nachweis von Komplement und Immunglobulin an der Basalmembran mittels IF. Nachweis von Serum AKmit ELISA
- Abheilung 2-3 Wochen nach der Entbindung
Dermatitis herpetiformis (Duhring)
Definition
Subepidermale Blasenbildung, Häufigkeit Männer:Frauen 2:1, zwischen 20. und 55. Lebensjahr
Prädilektionsstellen
- Extremitätenstreckseiten
- Schulterblattregion
- Gesäß
Symptome
- in herdförmiger Anordnung: Erytheme, Quaddeln, Bläschen, Papeln, Kratzspuren
- starker, brennender Juckreiz
- Eosinophilie in Blut und Blaseninhalt
- Provokation von Hauterscheinungen durch Gabe von Jodkali (lokal oder systemisch) möglich. CAVE: NW!
- glutensensitive Enteropathie bei 2/3 aller Patienten
Diagnostik
Klinik Histologie, Immunfluoreszenz
- granuläre IgA-Ablagerungen in der Haut an den Papillenspitzen (häufig) oder linear an der Basalmembran (selten)
- Antiendomysium AK positiv in ca. 70%
- Antigliadin AK positiv
Verlauf
chronisch-rezidivierend meist über viele Jahre, keine Letalität
Letztes Update:9 März, 2009 - 13:52








